Zschirnstein im Mondlicht

Von David Schreier
Als ich in meiner Hängematte aufwache, denke ich, jemand leuchtet mir mit der Taschenlampe ins Gesicht. Ich schaue verwundert auf die Uhr – es ist 1 Uhr nachts und es ist Vollmond hier auf dem Zschirnstein, der höchsten Erhebung im deutschen Teil des Elbsandsteingebirges. Dabei ist es so hell, dass ich fast alles überblicken kann. Eigentlich wollte ich, in der Hoffnung tief liegenden Morgennebel von hier oben fotografieren zu können, kurz vor Sonnenaufgang aufstehen. Aber das kann ich mir wohl aus dem Kopf schlagen, zu trocken waren die letzten Tage und zu warm ist die Nacht. Also ist ausschlafen angesagt…

Zschirnsteinblick

Tags zuvor traf ich mich mit Olli und Patrick am Bahnhof in Bad Schandau. Wir hatten eine kleine entspannte Tour geplant, aber meistens kommt es ja anders. Der Zschirnstein sollte es werden, weit südlich an der tschechischen Grenze und damit weit ab von Touristenströmen, bietet er mit seinen 561 Metern Höhe und einem wunderschönen Plateau an seiner Südspitze einen fantastischen Blick über die gesamte Böhmische Schweiz bis hin zur Festung Königstein, hinter der abends die Sonne untergeht. Schon lang hatte ich mir das vorgenommen, auch weil dieser Berg einen besonderen Platz in meinem Leben einnimmt. Im Februar 2010 stürzte ganz in seiner Nähe ein Privatjet in den Wald. Beide Piloten starben bei dem Aufprall von dem heute ein kleines Denkmal zeugt. Ich war damals bei der Bergung der Überreste und der Suche nach dem Flugschreiber beteiligt.

Ich hatte mir eine schöne Runde über kleine Pfade vorbei am Kohlbornstein und dem Ferienlager ERNA, einem ehemaligen Pionierheim, dessen gut ausgestattete Hütten man heute für Wandertouren mieten kann, zu unserem Tagesziel ausgesucht.
17 Kilometer und später stehen wir endlich auf dem Berg. Durch das ganze Auf und Ab haben sich immerhin auch 700 Höhenmeter angesammelt. Gerade die letzten Steigungen hatten es in sich und haben uns verstummen lassen. Das Schöne an solchen Anstrengungen ist, dass man automatisch beginnt, sich mit sich selber auseinander zu setzen – physisch wie auch psychisch. Jedesmal frage ich mich, ob ich meine Mitwanderer mit solchen Aktionen eher verschrecke, angesichts der Gesichter in die ich blicke, als Patrick und Olli die grandiose Aussicht erblicken, muss ich mir aber wahrscheinlich keine Sorgen machen.
Die Nacht verbringen wir ausnahmsweise nicht auf dem Boden, sondern in eigens mitgebrachten Hängematten. Ich war schon lange gespannt, ob ich darin überhaupt ruhig schlafen kann und meine Begleiter ebenso skeptisch. Am nächsten Morgen waren wir uns aber alle einig: wir sind ab sofort Fan vom „Hängemattenschlafen“.

zufriedene Gesichter

Nach einem kurzen Frühstück brechen wir zeitig auf. Ich möchte auf gut ausgebauten Wegen möglichst schnell nach Bad Schandau zurück und die beiden noch über die Häntzschelstiege führen. Ein gelungener Abschluss eines schönen Wochenendes, wie wir übereinstimmend feststellen.

Alle Bilder dieses Artikels: © David Schreier

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