Reise-VLog (1): Srebrenica

Von Tobias Strahl

Während drei Jahren Leben in Nigeria hatten wir nur ein einziges Mal Besuch aus Deutschland. Das sollte in Bosnien anders werden, waren wir uns einig. Tatsächlich waren nun das erste Mal Freunde zu Gast. Wo fährt man hin mit Menschen, die noch nie in Bosnien waren? Was zeigt man ihnen? Sarajevo. Natürlich. Und sonst? Die Auswahl ist riesig: Natur, Kultur, Abenteuer und kulinarische Genüsse – kein Wunsch bleibt offen. Wer die Seele des Landes kennenlernen will, muss auch nach Srebrenica fahren. Der Ort, an dem im Juli 1995 bosnisch-serbische Milizen unter Ratko Mladić über 8000 bosnische Muslime ermordeten, gehört zum Fundament des gegenwärtigen Europa. Die Ereignisse von Srebrenica sind ein europäisches Kulturerbe. Jeder Europäer sollte einmal in seinem Leben nach Srebrenica reisen – ebenso wie jeder neue EU-Ratspräsident der Gedenkstätte für das Massaker in Potočari einen Antrittsbesuch abstatten sollte. Srebrenica ist ebenso Ort eines furchtbaren Verbrechens wie Mahnmal für das Totalversagen der internationalen Staatengemeinschaft.

Die Aufnahmen in der Gedenkstätte stammen zum größten Teil von meinem jungen Kollegen Maurice Thömke, der darauf bestand, seine Eindrücke selbst zu dokumentieren. Ich finde, er hat sich wacker geschlagen bei diesem ersten Versuch.

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