Ins neue Jahr

Tobias Strahl, 10. Januar 2018, Sarajevo

Nach 2018 bin ich auf insgesamt drei Touren buchstäblich hinübergewandert.

Es ist mir eine liebgewordene Tradition, mit Freunden in der Oberlausitz die Passage in ein neues Jahr zu begehen; im kleinen Kreis  kochen, diverse Getränke verkosten, ein wenig Musik  machen und vor allem quatschen. Die Neujahrsspaziergänge können schon einmal länger werden. Zwei waren es diesmal in der Oberlausitz. Ein weiterer in den Bergen um Sarajevo.

Im Dubringer Moor bei Wittichenau. © Tobias Strahl

Es lohnt sich, die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft um den Erlichthof Rietschen einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Der Erlichthof liegt im Wolfsgebiet. Ein Kontaktbüro Wölfe in Sachsen befindet sich direkt am Eingang zum Heidewald. Hinter der  deutsch-bürokratischen Bezeichnung verbirgt sich eine spannende Informationsstation mit einem schön gestalteten Spielplatz, der ganz auf das Thema Wolf ausgerichtet ist – ideal für den Abenteurer-Nachwuchs. Der Erlichthof selbst ist eine rekonstruierte Siedlung, mit den für die Region typischen Fischerhäusern. In den historischen Häusern befinden sich heute etwa ein Restaurant, eine Töpferei oder ein Schneider. Wirklich sehenswert. Als wir uns von dort auf den Weg machen, zieht ein Seeadlerpaar, das in der Heide überwintert, über unsere Köpfe. Die Chance, Adler beobachten zu können, ist groß hier. Wer sich ein Schafsfell überzieht, überlegen wir uns, kann vielleicht sogar einen Wolf anlocken. Das ist natürlich Quatsch. Wir lernen jedoch den Unterschied zwischen sächsischen Jägern, schießwütigen Landräten und Wölfen verstehen: im Gegensatz zu den erstgenannten Spezies hat der Wolf seine Sinne beisammen, ist körperlich fit und kennt sich mit Natur aus. Knapp 19 Kilometer misst der Weg um das Dubringer Moor – unser zweites Ziel auf dem Weg ins neue Jahr. Entgegen dem Vortag ist es kalt. Außerdem regnet es. Aber wie heißt es so schön bei einem meiner Arbeitgeber: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Dafür hat das Moor bei Wittichenau in der Nähe von Bautzen bei diesigem Wetter und Nebel einen besonderen Reiz. Geschichten von Gespenstern im Sumpf, verirrten Wanderern, die im Moor ertrunken sind und allerlei seltsamen Kreaturen, die die dunklen Wasser bevölkern, erscheinen um vieles glaubhafter als bei eitel Sonnenschein.

Auf dem Weg zum Gipfel des Crveni Kuk (1733 Meter) - die "rote Hüfte" in den Bergen "za Bjelašnica" (=hinter dem Bjelašnica-Gebirge). © Tobias Strahl

Die dritte Wanderung ins neue Jahr führt mich mit Bosniens Guide No 1, dem Alpinisten Fikret Kahrović, in höhere und kältere Gefilde. Der Gipel des Crveni Kuk (1733 Meter) liegt in den Bergen “Za Bjelašnica” (etwa: hinter dem Bjelašnica-Gebirge), etwa 50 Kilometer vor den Toren Sarajevos. Es ist kalt und stark windig auf dieser Tour. Nichts geht über das frische Gefühl, wenn der Wind die Gedanken und Sorgen des alten Jahres mit sich davon trägt. Ich wünsche Euch schöne Touren und viele großartige Erfahrungen beim Leben draußen im Jahr 2018! Vielleicht begegegnen wir uns ja auf der einen oder anderen Wanderung hinaus zu uns selbst.

Herzlich, Euer Tobi

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