Fällkniven F1 und S1

Darf’s ein bisschen mehr sein? Diese Frage kommt mir in den Sinn, wenn ich über zwei unserer Messer – die beliebten Modelle F1 und S1 der schwedischen Messerschmiede Fällkniven nachdenke. Warum das so ist, wird in der nachfolgenden Besprechung der Werkzeuge deutlich. Wir haben das F1 und das S1, neben anderen Messern, seit längerer Zeit im Gebrauch. Dass die Fällkniven-Schmiede behauptet, die besten Messer der Welt herzustellen, ist hinlänglich bekannt aber können ihre Arbeiten dieses Versprechen einlösen?

Zunächst zum F1, welches auch als Pilot Survival Knife bezeichnet wird: Nach acht Jahren Entwicklungszeit kam es 1995 auf den Markt und ist seitdem das offizielle Messer der schwedischen Luftwaffe. Seine knapp zehn Zentimeter lange Klinge besteht aus laminiertem VG10-Stahl mit einem beachtlichen Härtegrad von immerhin 59 Rockwell. Der sehr scharfe und schnitthaltige (dafür jedoch brüchigere) VG10-Stahl wurde mit einem 420er-Stahl ummantelt, um die Bruchfestigkeit und Elastizität gegenüber einer aus reinem VG10-Stahl bestehenden Klinge zu erhöhen. Mit einer Breite von 4,5 Millimeter und der sogenannten „Vollerlkonstruktion“ eignet sich die Klinge auch für härtere Arbeiten, wie das Spalten von Holz oder Hebelarbeiten (Mit „Erl“ wird die Verlängerung der Klinge bezeichnet, die durch das „Heft“, den Griff des Messers, geht. Ein „Vollerl“ ist folglich etwa so breit und so stark wie die Klinge selbst und führt durch den gesamten Griff. Aufgrund des großen Materialaufwands ist das jedoch durchaus nicht bei allen Messern der Fall). Die Klinge des F1 wiederum ist ballig oder auch konvex angeschliffen. Damit erreicht das Messer eine gute Schneidfähigkeit. Gleichzeitig wird das Risiko von Ausbrüchen an der Schneidleiste bei harten Arbeiten verringert.

Der Griff des F1 besteht aus so genanntem Thermorun, welches im Spritzgussverfahren mit dem Erl verbunden wird. Thermorun widersteht starken Belastungen und weist eine hohe Resistenz gegen Chemikalien und Öle auf. Durch das aufgebrachte Rautenmuster hat man das Messer auch bei Nässe und Kälte stets gut im Griff. Am Ende des Griffes ragt der Erl zwei Millimeter über das Griffende heraus und kann so als Schlagwerkzeug benutzt werden.

F1 und S1 sind in sowohl in offener als auch geschlossener Lederscheide erhältlich. Alternativ ist auch eine sogenannte Zytelscheide, die aus einer Art Plastik besteht, verfügbar. Wir benutzen beide die Zytelscheide, die vielleicht keinen Designerpreis gewinnt, aber Vorteile im Bereich der Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit aufweist und obendrein leichter zu reinigen ist als Leder. Ihre Unempfindlichkeit gegen Nässe und Blut macht die Zytelscheide besonders für Jäger und Angler attraktiv.

Das S1 wiederum kam vier Jahre nach dem F1 auf den Markt. Es war dazu bestimmt, die Rolle des modernen schwedischen Waldmessers im Portfolio von Fällkniven einzunehmen. Da sich das F1 bis dahin durchaus bewährt hatte, wurde ein großer Teil der positiven Eigenschaften des F1, wie zum Beispiel Griff, Scheide, Stahl und Anschliff für das S1 übernommen und nur rollenspezifische Eigenschaften geändert. So unterscheidet sich das S1 von seinem Vorgänger hauptsächlich in der Gesamt- und Klingenlänge sowie damit einhergehend in Gewicht und Klingenform.

Mit seinen 13 Zentimetern Klingenlänge und fünf Millimetern Klingenstärke und einem Gewicht von 190 Gramm (gegenüber den 150 Gramm des F1) ist das S1 ebenfalls ein sehr robustes Messer, das im Gegensatz zum F1 jedoch bereits für leichte Hackarbeiten geeignet ist.

Ein Unterschied zum F1, der sofort ins Auge fällt, ist die Klingenform. Fällkniven verwendet hier eine so genannte „Drop-Point-Klinge“. Das heißt, dass der Klingenrücken konkav (einwärts gewölbt) zur Klingenspitze hin gebogen ist und die Klinge vorn spitz zuläuft. Dadurch wird die Stichfähigkeit erhöht. Die lange gebogene Schneide ist ideal zum Häuten von Tieren.

Einen Nachteil hat dieses Mehr an Einsatzwert durch die größere und schwerere Klinge jedoch: das S1 unterliegt in Deutschland dem Führverbot nach § 42a WaffG. Für Personenkreise, die ein berechtigtes Interesse, wie zum Beispiel Brauchtumspflege oder Sport vorweisen können, spielt das jedoch lediglich eine untergeordnete Rolle. Der Gesetzgeber lässt ausdrücklich jede sozialadäquate Verwendung von Messern mit einer Klingenlänge von über 12 Zentimetern zu und möchte lediglich die Verwendung zu Selbstverteidigungszwecken ausschließen (Quelle: BKA). Pfadfinder, Jäger und Angler sollten also keine Probleme bekommen, wenn sie das S1 bei einer Kontrolle bei sich tragen.

Vielleicht ist es unser Hang zur schlichten und funktionalen Eleganz schwedischer Ausrüstung – beide Messer aus der Fällkniven-Schmiede überzeugen uns jedenfalls auf ganzer Linie. Wer ein unempfindliches und robustes Arbeitstier für ausgedehnte Abenteuer im Freien sucht, ist mit dem kürzeren F1 von Fällkniven bereits bestens bedient. Wer indes ein Messer mit einem größeren Einsatzspektrum  – etwa die Jagd oder gröbere Holzarbeiten – benötigt und dafür etwas mehr an Gewicht und Länge in Kauf nimmt, der sollte ein wenig Geld drauflegen und zum S1 greifen. Wir haben beide Messer in unserer Standardausrüstung und haben nicht vor, das zu ändern.

 

Pin It on Pinterest

Share This